Türmer sieht Heil als “spannendes Angebot” für SPD-Spitze
Der Juso-Chef Philipp Türmer zeigt sich offen für eine mögliche Kandidatur des früheren Arbeitsministers Hubertus Heil für die Spitze der SPD. Heil habe sich auf Juso-Kongressen regelmäßig den Debatten mit den Jusos gestellt und häufig den Saal mitgerissen, sagte Türmer dem “Politico”. Heil sei mit einem “klaren Profil für die Themen Arbeit und Soziales ein spannendes Angebot”.
Zugleich warnte Türmer davor, die Erneuerung der SPD allein auf Personalfragen zu reduzieren. Entscheidend sei, dass jede Personalfrage in Abhängigkeit von Inhalten und Strategie beantwortet werde und nicht anders herum.
Für die schweren Proteste in Frankreich sieht der Juso-Chef vor allem soziale Ursachen. Man sehe, dass die steigende Ungleichheit in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Formen der Proteste führe, sagte Türmer. Die Gewalteskalation verurteilte er, verwies aber darauf, dass die Proteste ursprünglich von Schülern ausgegangen seien.
Eine ähnliche Entwicklung in Deutschland hält der SPD-Nachwuchspolitiker für unwahrscheinlich. “Dass sie derart eskalieren, das halte ich tatsächlich für sehr unwahrscheinlich”, sagte er. Deutschland und Frankreich hätten ganz unterschiedliche Protestkulturen.
Die für Ende Oktober angekündigten Schülerproteste in Deutschland bezeichnete Türmer als inhaltlich nachvollziehbar. Das Eintreten für bessere Bildung, geringere Lebenshaltungskosten und gegen die Wehrpflicht seien sehr unterstützenswerte Interessen. Die Jusos seien mit den Organisatoren bislang jedoch nicht in Kontakt.
Mit Blick auf die geplante rot-grün-rote Koalition in Berlin verteidigte Türmer die Gespräche mit der Linken. Wenn man feststelle, dass im Moment die soziale Ungleichheit zu Protesten führe, dann spreche doch viel dafür, dass man eine Koalition suche, die etwas gegen die Ungleichheit unternehme, sagte er. Zudem sei im Sondierungspapier ausdrücklich verabredet worden, dass es keine Kürzungen bei der Polizei geben solle.
Foto: Philipp Türmer und Hubertus Heil (Archiv), via dts Nachrichtenagentur